Mit dem Motorrad um die Welt

Neufundland – Wo das Abenteuer beginnt

Snow in Newfoundland

Port Aux Basques – Saint George’s Bay

Um 9 Uhr abends konnten wir endlich auf die Fähre. Dort angekommen suchten wir uns einen Platz im Sesselraum. Schnell wurde mir klar, dass ich dort nicht schlafen kann und so breitete ich meinen Schlafsack und die Isomatte aus und schlief auf dem Boden.

Der nächste Morgen begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein bei milden Temperaturen. Um 11 Uhr verließen wir die Fähre, machten einen kurzen Tankstopp und begaben uns dann zum Startpunkt des T‘Railway, einer umfunktionierten Bahnstrecke die die von Port Aux Basqes nach St. Johns führt. 850km offroad quer durch Neufundland.

 

Ankunft in Neufundland

Ankunft in Neufundland

Am Meer entlang komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Landschaft ist einfach überwältigend.
Kurz nicht aufgepasst, da ist es auch schon passiert. Da ich eine Sandpassage nicht rechtzeitig erkenne, komme ich ins Schlingern, kann das Moped noch bremsen aber nicht mehr abfangen. Ich versuche die Kati alleine wieder aufzustellen aber sie ist einfach zu schwer und so kommt Michael mir zur Hilfe. Mit ihren 28 Litern Benzin plus dem Gepäck ist es schon etwas Anderes sie im Gelände zu bewegen. Fehler sind deutlich schwerer zu korrigieren und bei Bodenwellen ist auch schon mal das gesamte Fahrwerk beansprucht.
Weiter geht es Richtung Norden, vorbei an endlosen Wäldern und Flüssen. Nachdem ich mein Motorrad das zweite Mal mit dem Boden bekannt gemacht habe, entscheiden wir uns bald einen Schlafplatz für die Nacht zu suchen. Kurz das nötigste eingekauft, finden wir eine Wiese direkt neben einem Fluss. Ich versuche ein paar Forellen zu fangen, habe aber leider keinen Erfolg und so bleibt uns nur die Fertigsuppe als Abendessen übrig. Nach einem kurzen Nickerchen entdecke ich meine ersten Elche, die sich am Waldrand blicken lassen.

Mein Gott sind die groß, ungefähr so groß wie ein Pferd. Bei mir kommt kurz Panik auf, die ich allerdings schnell überwinde und mich langsam zur Kamera bewege. Dort angekommen nehmen die Elche reiß aus und so bleibt mir keine Gelegenheit für ein erstes Bild. Da ich noch die Nacht von der Fähre in den Knochen habe, lege ich mich um 8Uhr schlafen, allerdings nicht ohne mein Bärspray.

Saint George’s Bay – Buchans Junction

Auf der Schotterpiste

Auf der Schotterpiste

Aufgewacht um 7Uhr lockere ich erst einmal die Spannung der Antriebskette, da sie etwas zu straff war. Anschließend bereite ich das Frühstück vor und setze Teewasser auf. Um 8.30 Uhr kommt Michael aus seinem Zelt gekrochen und ist völlig durchfroren. Von den Minusgraden letzte Nacht hatte ich nur etwas mitbekommen als ich kurz raus musste. Ich hatte Michael gewarnt sich einen vernünftigen Schlafsack zu kaufen, allerdings war er zu geizig und meinte nur: „Ich kauf mir keinen warmen Schlafsack für die paar kalten Nächte.
Wir folgen der alten Eisenbahnlinie für weitere 60km. Die teils extrem anspruchsvolle Piste ist mit vielen Woop di Doos und tiefen Schlaglöchern bringt das Fahrwerk an seine Grenzen. Anschließend verlassen wir die Eisenbahnlinie und biegen nach Osten auf die Straße 480 ab. Ich genieße die Landschaft bei 80km/h und bin beeindruckt von den Arbeiten die sie in die Verlegung von Starkstrommasten stecken.
Nach ungefähr 40 km gabelt sich die Straße. Links geht es nach Burgeo, geradeaus auf eine Schotterpiste. Wir folgen der Schotterpiste die uns zum Red India Lake führt. Hier ist die KTM in ihrem Element und ich fahre mit teils über 100km/h über die Piste. Kaum eine Sekunde nicht aufgepasst, da ist es auch schon passiert. Mein Vorderrad erwischt einen großen Stein, die Gabel geht auf Anschlag und der Lenker knallt mir in den Helm. Puh das war knapp. Im weiteren Verlauf entdecken wir ein Karibu, eine weißes Rentier, welches eine Weile neben meinem Motorrad läuft. Wir folgen der Schotterstraße, welche uns entlang des Südufers nach Millertown leitet.

 

Karibu

Karibu

Dort füllen wir unsere Motorräder mit Regular Benzin, welches nur 87 Oktan besitzt und decken uns mit Lebensmittel für die Nacht ein. Bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen schauen wir uns nach Übernachtungsmöglichkeiten auf der Karte um. Da kommt auch schon ein Mann auf uns zu und nach einem kurzen Plausch lädt er uns ein bei sich und seiner Frau im Garten zu übernachten.

Dort angekommen werden wir von Jack dem Hund begrüßt, welcher als erstes sein Bein hebt und sein Revier an Michaels Vorderreifen markiert. Wir bekommen einen Whiskey on the Rocks serviert. Da Michael gestern wegen der Kälte kaum geschlafen hat, nimmt er das Angebot, im alten Cottage zu schlafen, dankend an. Nach einigen Arbeiten an den Motorrädern, unter anderem das erneuern einiger losvibrierter Schrauben, machen wir uns auf den Weg zu William und Cora.

Dort angekommen wartet bereits Elchbraten mit Pommes und Mais auf uns. Absolut köstlich. Bei ein paar Glas Whiskey lassen wir den Abend gemütlich ausklingen.

Buchans Junction – Sandy Pond

Gesperrter Trail

Gesperrter Trail

Der Tag beginnt gemütlich. William und Cora laden uns zum Frühstück ein. Es gibt gebackene Pfannkuchen mit Würstchen und Ahornsirup. Lecker. Der Vormittag wird mit Gesprächen verbracht und so machen wir uns erst um 12 Uhr auf die Weiterreise. Von Buchans Junction nehmen wir die geteerte Straße nach Badger und treffen dort wieder auf unsere Eisenbahnlinie, die uns nach St. Johns bringen soll.

Vorbei an Grand Falls müssen wir den Trans Canada Highway nehmen, da ein Teil der Eisenbahnstrecke komplett weggespült ist. Am Exploits River stoßen wir wieder auf den T’Railway, der aber kurze Zeit später wieder wegen Erdrutsch gesperrt ist. Ich finde einen Weg herum und stehe kurz darauf bei jemandem im Garten.

Auch schon zu spät. Ich fahre einfach weiter um wieder auf den Trail zu gelangen. Die Landschaft ist einfach sagenhaft. Vorbei an märchenhaften Seenlandschaften und unberührten Wäldern geht es weiter Richtung Notre Dame Junktion. Der Weg ist immer noch von Schneemassen des Winters gesäumt. So kommen wir nur langsam voran.

Kurz vor Notre Dame Junktion dann eine erneute Wegsperrung. Wir entschließen uns die weitere Reise auf dem Highway zu verbringen und machen so einiges an Kilometern.
Um kurz vor 6Uhr biegen wir vom Highway ab und finden einen Idyllischen See, den Sandy Pond. Hier schlagen wir unser Camp für die Nacht auf.

 

Mein Schlafplatz am Sandy Pond

Mein Schlafplatz am Sandy Pond

Sandy Pond – St John’s

Die Nacht am See war eisig kalt. Ich bleibe eingemummelt in meinem Schlafsack liegen und kann mich nur schwerlich motivieren mein Tagebuch zu schreiben. Um 9.30Uhr sind wir zurück auf dem Trans Canada Highway. Nach 80km stoppen wir halb erfroren bei einem Café und bestellen uns den größten Becher den es gibt. Mit einem ¾ Liter Kaffee im Magen sieht die Welt schon wieder besser aus. Weiter geht es durch zerklüftete Felslandschaften vorbei an endlosen Seen. Es ist unglaublich wieviel Wasser Neufundland hat.
Der Himmel klart etwas auf und die Temperatur steigt zum Glück auch etwas an. Kurz vor St John’s bekommen wir nochmal mit voller Wucht den kalten Ostwind zu spüren und sind froh als wir endlich den Stadtrand erreichen. Dort angekommen machen wir einige Besorgungen und gehen dann zu unseren Unterkünften. Michael hat sich ein Zimmer über Airbnb besorgt, Ich übernachte bei Ben, Deenaree und ihren beiden kleinen Söhnen als Couchsurfer.

Nach sieben Tagen on the road ist es Zeit für ein erstes Resümee

Seenlandschaft Neufundland

Seenlandschaft Neufundland

Ich bin schlichtweg überwältigt von der Gastfreundschaft und Freundlichkeit der Menschen hier in Kanada. Auf den Straßen nehmen die Autofahrer größtmögliche Rücksicht auf Motorradfahrer, in Städten halten viele Autofahrer, wenn man als Passant die Straße überqueren möchte und egal wo man hinkommt, die Menschen sind interessiert an deiner Story. Die Landschaft ist einfach atemberaubend und das Wetter bisher besser als ich erwartet hatte. Ich kann es kaum erwarten mehr von diesem großartigen Land zu sehen.

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2 Kommentare

  1. NELSON ANTHONY

    Enjoyed your company, and sharing meal and stories. Thanks for the help with transporting my firewood. Good Luck on your adventure

    • daniel

      Thanks Nelson was great to meet you. No problem with the firewood, was just our warm up for the proper exercise later on. You can find the English version of the the text by clicking the little Union Jack, top left corner or here http://borntoridetheworld.de/en/newfoundland-part1/

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